Es gibt kaum einen Bereich in der Orthopädie, in dem eine so große Anzahl an Begriffen verwendet wird, wie für den Fersenschmerz. Häufig sind die Beschwerden unspezifisch und deuten nicht sicher auf eine Grunderkrankung hin. Eine sorgfältige Untersuchung ist hier wichtig, um die Schmerzursachen zu erkennen. Allen gemeinsam ist eine chronische Überlastung der Achillessehne. Die Symptome sind ein Belastungsschmerz, Anlaufschmerz sowie der Schmerz nach erfolgter Belastung.
In der Folge werden die Ursachen kurz erläutert.
Midportion Tendinopathie der Achillessehne (Achillodynie)
Beide Begriffe werden synonym verwendet und beschreiben ein charakteristisches Beschwerdebild aus Schmerz, Schwellung und Leistungsminderung der Achillessehne ca. 2-7cm oberhalb ihres Ansatzes an der Ferse. Es sind häufig Sportler (insbesondere Läufer) betroffen. Nicht-operativ haben sich neben der Anpassung der Belastung und einer Einlagenversorgung die Stoßwellentherapie (ESWT) und die Eigenbluttherapie (PrP) bewährt. Jedoch besteht die wichtige Therapiegrundlage in der exzentrischen Übungsbehandlung. In seltenen Fällen (ca. 25%) ist ein operatives Vorgehen angezeigt. Hierbei wird v.a. verändertes Gewebe der Sehne und Sehnenscheide entfernt. Die Erfolgsraten sind gut.
Haglund-Exostose
Die Haglund-Exostose entsteht nicht, wie der Name vermuten lässt, infolge eines Knochenwachstums (daher auch der Beiname „Pseudoexostose“). Es handelt sich um eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis subachillea), die durch eine vermehrte Reibung der Achillessehne am Fersenknochen entsteht. Ursache ist v.a. eine erhöhte Laufbelastung sowie enge Schuhe mit harten Fersenkappen. Erst im späteren Verlauf kommt es auch zu Veränderungen der Knochenkante. Die chronische mechanische Reizung kann ebenso kleine Einrisse (selten vollständige Abrisse) der Achillessehne hervorrufen.
Die konservative Therapie umfasst die gleiche Vorgehensweise wie bei der Achillodynie. Da jedoch ca. 50% nicht auf die Therapie ansprechen, ist häufig die operative Entfernung der entzündlich veränderten Bursa subachillea sowie die Entfernung des prominenten Fersenhöckers notwendig. Die besten Ergebnisse erreicht das minimalinvasive Vorgehen.
Ansatz-(Intertions-)Tendinopathie der Achillessehne / Dorsaler Fersensporn
Insgesamt ist sie selten und tritt vor allem bei rheumatischen Erkrankungen (z.B. M. Bechterew, Psoriasis-Arthritis) oder auch bei Gicht und Borreliose auf.
Teilweise verknöchert der Ansatz der Achillessehne und ein „dorsaler Fersensporn“ entsteht. Dieser kann jedoch auch bei der Achillodynie oder einer chronischen Schleimbeutelentzündung nachweisbar sein. Dieser kann in festem Schuhwerk zu Druckschmerzen im Fersenbereich führen.
Auch in diesem Fall gleicht die konservative Behandlung derer der Achillodynie. Eine Fersenerhöhung kann zusätzlich hilfreich sein. Von Kortisoninjektionen sollten im Bereich der Achillessehne aufgrund der erhöhten Reißgefahr grundsätzlich abgesehen werden. Bei Nicht-Ansprechen erfolgt die operative Entfernung des Knochens - eine Refixierung der Achillessehne an der Ferse ist manchmal notwendig.
Plantarfasziitis / Fersensporn
Die Plantarfaszie zieht als wichtige Bindegewebsplatte zur Aufrechterhaltung des Fußgewölbes von der Unterseite der Ferse V-förmig nach vorne zu den Grundgelenken der Zehen. Beschwerden der Faszie sind häufig und werden Plantarfasziitis genannt. Typisch ist ein Schmerz auf der Innenseite der Ferse, der sich durch vermehrtes Hochziehen des Fußes und der Zehen intensiviert. Der Schmerz tritt v.a. morgens bei den ersten Schritten vor, lässt zunächst nach und nimmt im Laufe des Tages wieder zu.
Die Ursache konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Häufig tritt sie jedoch auf bei Veränderungen der Rückfußachse, bei Pat. mit Übergewicht, einer chronischen Verkürzung der ischiokruralen Muskulatur (rückwärtiger Oberschenkel) bzw. der Wadenmuskulatur oder auch bei übermäßiger, ungewohnter Belastung auf. Obwohl eine knöcherne Ausziehung am unteren Fersenbereich häufig mit nachgewiesen wird, besteht ein unmittelbarer Zusammenhang jedoch nicht, da er auch asymptomatisch bei vielen Menschen vorhanden sein kann.
Die Plantarfasziitis spricht in der Regel sehr gut auf konservative Maßnahmen an. Wichtig ist die Berücksichtigung der alltäglichen Belastung und das Körpergewicht. Spezielle Einlagen mit Fersenweichbettung reduzieren den Schmerz, Dehnübungen der Faszie und der Wadenmuskulatur sind ein wichtiger Therapiebestandteil. Zusätzliche Maßnahmen wie Stoßwellentherapie (ESWT), Eigenbluttherapie (PrP) oder Röntgenreizbestrahlung sorgen für eine schnellere Genesung. Nur selten ist ein operatives Vorgehen erforderlich. Dabei wird ein Teil der Plantarfaszie von der Ferse abgetrennt.